2002: Hochwasser an der Elbe - Feuerwehr Lilienthal

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August 2002: Hochwasser an der Elbe

Im Jahr 2002 ist unsere Ortsfeuerwehr zu zahlreichen unwetterbedingten Einsätzen ausgerückt. Nach den Winterstürmen im Januar und Februar sind wir im Sommer zusammen mit den anderen Kräften der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreis Osterholz zu einem unser längsten Einsätze in der Geschichte unserer Ortsfeuerwehr aufgebrochen. Die sogenannte „Jahrhundertflut“ hatte Deiche entlang der Elbe brechen lassen,  weite Teile unter Wasser gesetzt und dabei  katastrophale Schäden in Milliardenhöhe angerichtet.

Über das was wir damals bei unserem Einsatz im Elbe-Jeetzel-Gebiet in der Nähe der Stadt Dannenberg erlebten berichtete die Wümme-Zeitung am 31.08.2002.

Kampf gegen Wasser und Mücken
Kreisfeuerwehrbereitschaft kam erschöpft, aber zufrieden vom Einsatz zurück

Es war ein bis zur völligen Erschöpfung geführter Kampf gegen rasant anschwellende Wassermassen und damit gegen die Zeit, aber auch gegen drückende Hitze und riesige Schwärme quälender Mücken. Sie haben Ihn gewonnen - die insgesamt 374 Feuerwehrleute aus dem Kreisgebiet, die in der vergangenen Woche mithalfen, die Fluten der Elbe in Schach zu halten.

Kreisbrandmeister Paul Rodig und Thomas Becker, Führer der Kreisfeuerwehrbereitschaft , werten die Arbeit im Wendland als Erfolgsgeschichte. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, denn es lief so manches nicht rund beim Eindämmen der Fluten, wie die Brandschützer aus dem Kreis Osterholz auch in ihrem Einsatzabschnitt beobachtet haben. 2700 Helfer der unterschiedlichsten Organisationen hatten am Unterlauf der Jeetzel vor allem die Aufgabe, Brüche und Überflutungen der Deiche zu verhindern. Für die Einsatzleitung habe sich damit eine Aufgabenfülle ergeben, so Paul Rodig, die „kaum zu schaffen war“.

Der Mut zur Eigeninitiative sei aber das richtige Mittel gewesen, so manche organisatorische und technische Klippe zu umschiffen. „Wir haben uns um vieles selbst gekümmert“, resümiert Thomas Becker, „sonst wären wir sang- und klanglos untergegangen. Statt vergeblich auf andere zu warten, haben wir eigene Logistik aufgebaut und Kontakte geknüpft“.

Ebenso wie die Selbstständigkeit war an der Jeetzel auch Improvisationstalent gefragt. „Schließlich ist Deichsicherung nicht unser ureigenstes Metier“, kommentiert Thomas Becker trocken, „aber wir haben auch ungewohnte Arbeiten gemeistert“. Man sei jetzt fit darin, einen löcherigen und weichen Erdwall mit Fließplanen und Sandsäcken fachgerecht zu befestigen. Und damit letztlich auch erfolgreich, denn die Deiche bei Leibhaft oder Pisselberg hielten. Eine Art Lehrzeit also für die Feuerwehrleute, die nach der Beschreibung der beiden Führungskräfte unter extrem belastenden Bedingungen absolviert wurde. Fast durchweg in zwölf Stunden andauernden Schichten wuchteten sie Sandsäcke oder halfen beim Fällen von Bäumen - bei Temperaturen von 30 Grad der prallen Sonne ausgesetzt und den Angriffen der „Monstermücken“.

Da mussten Rettungssanitäter ran, um Helfer mit Hitzeerschöpfungssymptomen zu behandeln, da wurde „literweise Autan“ auf den schwitzenden Körper verteilt und mit Sonnenmilch zu einem Mix verrieben. Was ebenfalls zur Herausforderung geriet: Das Insekten-Abwehrmittel war in der Einsatzregion ausverkauft, die Osterholzer ließen Nachschub aus der Heimat mitbringen. Außer den Folgen der Hitze und der Insekten-Überfälle aber hatten die Feuerwehrleute keine körperlichen Blessuren zu beklagen. „Wir haben richtig Schwein gehabt“, weiß Paul Rodig, „in unserem Bereich hat es über siebzig Verletzte gegeben“.

Auch andere positive Befunde haben Becker und Rodig mit nach Hause gebracht. Über die freundschaftlich gestimmten Gastgeber von der Dannenberger Feuerwehr etwa, die guten Beziehungen zu den Schwaneweder Bundeswehr-Einheiten, die sich auch beim Einsatz auf den Deichen bestätigten und nicht zuletzt natürlich über den Ausbildungsstand der eigenen Truppe und deren Bereitschaft, kräftig zuzupacken. „Die haben geackert, als wenn’s um ihr Eigentum ginge“, lobt der Kreisbrandmeister seine Leute. Gewinnbringend waren die Tage auch, was das Wissen und Können der Feuerwehrmänner und -frauen angeht. „Wir haben sehr viel gelernt“, stellt Bereitschaftsführer Becker fest, „das hat mehr gebracht als zehn Lehrgänge“.

Sein Bewenden soll es damit nicht haben, so Becker. Vielmehr will man auf die Erfahrungen aufbauen und die Schulung intensivieren - vor allem in der Führungsarbeit. Benötigen wird man die Kenntnisse noch, davon ist Rodig überzeugt: „Solche Einsatzgeschehen werden wir in Zukunft ja möglicherweise häufiger haben - es kann ja auch uns erwischen, dass wir nicht absaufen“.

Anm.: Paul Rodig sollte Recht behalten. Im April 2006 ging es mit der Kreisfeuerwehrbereitschaft zur nächsten großen Flut. Unser Einsatzgebiet diesmal das Ostufer der Elbe im Bereich Amt Neuhaus.

Quelle: Hochwasserkatastrophe im August 2002, Einsatz der Bundeswehr, Bundesministerium der Verteidigung, September 2002
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